Permakultur im kleinen Garten: so funktioniert’s!

Wofür steht Permakultur eigentlich und wie kann sie in noch so kleine Gärten Einzug halten? Eines kann ich in aller Kürze vorweg nehmen: es geht darum, Gartenabfälle zu Kompost zu verwerten, diesen als natürlichen Dünger einzusetzen, Nützlinge zu fördern, und alles mit dem Ziel die Erträge im Nutzgarten zu steigern.

Ich bin mir ganz sicher, während dem Lesen wirst du dir das eine oder andere mal denken: „Hey, das mach ich sogar bereits!“. Und wenn nicht, dann ist der erste Schritt ganz easy, du wirst sehen.

Wofür steht Permakultur?

Zum Thema Permakultur habe ich lange einen gewissen Respekt-Abstand eingehalten. Es klang irgendwie so … groß! Also so nach Landwirtschaft, gewerblichem Anbau und großem Acker. Dabei geht es wieder mal nur um ein Prinzip, das im kleinen genau so gut funktioniert wie im großen. Wir bauen uns unser eigenes kleines nachhaltiges Ökosystem. Wir beobachten die Natur und fördern die natürlichen Abläufe ohne große Eingriffe und verhindern, dass Pestizide und andere Chemie Teile dieses Ökosystems zerstören.

Dabei gehen wir etwas weiter als einfach nur einen Biogarten anzulegen. Permakultur nimmt auch Rücksicht auf den schonenden Ressourceneinsatz – beschäftigt sich also beispielsweise auch damit welcher Gartenbereich sich in der Nähe des Menschen befindet weil er mehr Pflege benötigt, und welcher getrost 5 Ecken weiter weg sein darf.

So macht es also Sinn, dass Küchenkräuter und der Nutzgarten in der Nähe des Menschen angesiedelt sind, also relativ nahe beim Haus angelegt sind. Eine Regentonne sollte wiederum dort stehen, wo das Wasser auch benötigt wird, sodass man die Gießkanne nicht quer durch den Garten zerren muss. Ein Obstgarten benötigt weniger Pflege und Aufmerksamkeit und kann dementsprechend auch in einer Randzone des Gartens Platz finden.

Tomaten auf der Terrasse

Diese klassische Zonen-Einteilung – so mein Vorschlag – ersparen wir Kleingärtner uns einfach und versuchen das Prinzip zu verstehen um uns die Elemente heraus zu picken die für uns relevant sind. Es geht ja schließlich nicht darum, anderen erzählen zu können: „Übrigens, ich habe einen Permakultur-Garten“, sondern nur darum die wesentlichen Aspekte zu extrahieren und umzusetzen. Ganz nach dem Motto, auch Kleinvieh macht Mist 🙂

Brombeeren werden reif

Einfache Permakultur-Elemente

Damit dir der Einstieg leicht fällt, erzähle ich euch heute mal, welche Elemente ich für relevant und kinderleicht umzusetzen eingestuft habe.

Mulchen

Vielfach unterschätzt und so einfach und wirksam, dass es fast schon kitschig ist. Ungenutzte Flächen im Garten werden mit Material abgedeckt, sodass erstens der Boden nicht so schnell Feuchtigkeit abgibt und austrocknet und damit die Bodenwärme länger gespeichert wird. Hierfür nutzt du einfach anfallenden Rasenschnitt, den du locker zwischen die Pflanzenreihen im Gartenbeet aufstreust (nicht zu dick, damit er nicht zu faulen beginnt). Auch kannst du Pflanzenreste oder Gründünger einfach liegen lassen. Der Mulch verrottet direkt im Beet, und wird bei der nächsten Pflanzung oder Aussaat einfach in die Erde eingearbeitet. So liefert er stetig neuen Nachschub an Nährstoffen.

Mischkultur und Fruchtfolge beachten

Den Ertrag im Nutzgarten kannst du ganz einfach steigern, indem du deinem Lieblingsgemüse Nachbarn zur Seite setzt die es im Wachstum fördern, Schädlinge fernhalten oder den Geschmack verbessern. Klingt nach einer hohen Wissenschaft und ist unglaublich faszinierend, aber keine Angst, du musst nur einen Blick in fix fertige Listen werfen, welche Beetnachbarn sich gegenseitig fördern. Umgekehrt gibt es auch Pflanzen, die nicht miteinander können. Du machst dir Anfang des Jahres Gedanken darüber welches Gemüse du gerne anbauen möchtest und planst dann dein Gartenjahr im Voraus, anstatt wahllos Pflänzchen am Markt zu kaufen und sie irgendwo in die Erde zu klatschen. Der einmalige Planungsaufwand ist es allemal wert, versprochen!

Kohlrabi aus dem eigenen Garten

Abgesehen von den Beetnachbarn macht es auch Sinn sich über die Fruchtfolge Gedanken zu machen. Wo im Vorjahr Kohl stand, sollte im heurigen Jahr anderes Gemüse gesetzt werden, wo im Vorjahr Starkzehrer standen kommen heuer Mittelzehrer zum Einsatz.

Sich darüber Gedanken zu machen bringt auch mit sich, dass man immer wieder einmal neue Gemüsesorten ausprobiert, nur um einem Gemüse mit Fixplatz einen netten Nachbarn zur Seite zu stellen. Seit ich damit angefangen habe mich mit Mischkultur zu beschäftigen und mein Gartenjahr im Voraus zu planen haben sich meine Erträge vervielfacht und es macht auch um ein vielfaches mehr Spaß. Nur die Schnecken, die mir mein geplantes Gemüse auffressen, die treiben mich immer noch in den Wahnsinn.

Hochbeet

Ein Hochbeet bietet zahlreiche Vorteile für euer gärtnerisches Dasein. Es erwärmt sich schneller als gewöhnlicher Gartenboden, Schädlinge können nicht so leicht euer Gemüse erobern, und es gibt keine Staunässe. Außerdem finden oft Nützlinge Unterschlupf in den vielen Schichten, Ritzen und Fugen und ihr könnt bequem in erhöhter Position werken. Wie man ein Hochbeet ganz einfach selber baut und befüllt habe ich hier für euch beschrieben.

Selbst gebautes Hochbeet, fertig befüllt

Anlage eines Heumulchbeetes

Das gefällt euch bestimmt genauso gut wie mir: ihr legt ein Beet an, ganz ohne Umgraben! Ja wirklich!
Um ein Heumulchbeet anzulegen, …

  • mäht ihr den Rasen ganz kurz,
  • streut Hornspäne und Urgesteinsmehl auf die Fläche,
  • legt unbedruckten Karton darauf aus,
  • wässert ihn ordentlich bis er ganz durchweicht ist und
  • dann kommen ca. 10 cm Heu oder angetrockneter Rasenschnitt darauf.
  • Nun wässert ihr das Ganze nochmal.

In den nächsten 2 Wochen haltet ihr euer neues Beet schön feucht. Es macht Sinn rund um das Beet Bretter oder Pfosten zu legen. Erstens um das Heu zu beschweren, damit der Wind euch nichts verwehen kann und zweitens um zu verhindern, dass das Beet vom Rand her austrocknet. Nach 2 Wochen könnt ihr dann die ersten Pflänzchen setzen. Genial oder?

Kompost anlegen

Ganz klar: in jeden Garten und sei er noch so klein, gehört ein Komposthaufen. Aus anfallenden Gartenabfällen wird so wertvoller Kompost, der wiederum im Nutzgarten und/oder Ziergarten aufgebracht wird und die Nährstoffe in den Boden bringt. Ich persönlich setze auf einen Thermokomposter. Dort verrottet das Material schneller, er ist kompakt und einfach zu handhaben. Unten gibt es eine Klappe an der man den frischen Kompost entnehmen kann.

Kompost anlegen

Regenwasser sammeln

Wo viel wächst, da wird auch viel Wasser benötigt und um nicht unnötig Trinkwasser zu verschwenden solltet ihr Regenwasser so gut es geht sammeln um damit eure Pflänzchen gießen zu können. Ich persönlich suche noch nach der idealen Möglichkeit, da in unserem Mehrparteienhaus das Regenwasser über fix fertig montierte Regenrohre abgeleitet wird. Ich denke, wir werden einfach eine Dachrinne am Gartenhäuschen montieren. Man darf nicht unterschätzen wie viel Regenwasser bei einem ordentlichen Gewitter auf das Dach eines Mini-Gartenhauses fällt. Und sei es auch noch so ein kleines Kübelchen Wasser – auch 10 Liter Wasser zu sparen ist ein Anfang.

Gegossen wird idealerweise mit Regenwasser

Saatgut sammeln und Selbstaussaat ermöglichen

Eigenes Saatgut zu gewinnen macht unabhängig vom Handel und ermöglicht den Tausch mit anderen Hobbygärtnern. Das kommt der Vielfalt zugute und macht auch noch Spaß! Einige Regeln gilt es aber zu beachten:

  • Nur samenfeste Sorten lassen sich selbst vermehren. Die gezüchteten Hybridsorten verlieren schon nach einer Generation ihre wertvollen Eigenschaften wieder.
  • Samen nimmt man nur von gesunden und starken Mutterpflanzen ab.
  • Gesammelt wird bei trockenem Wetter. Dann in der Wohnung nachtrocknen lassen, danach aus der Samenhülle entfernen, und am Besten in einer beschrifteten Papiertüte aufbewahren.

Ich liebe auch meine Gartenvagabunden – einjährige oder mehrjährige Pflanzen, die sich im Garten selbst aussäen und vermehren. Dazu zählen z.B. die rote Spornblume, Akeleien, Vexiernelken, und Herbstanemonen.

Nützlinge fördern

Wo soll ich hier nur anfangen… Zum Gedeihen eurer Pflanzen – sei es nun im Nutzgarten oder im Blumenbeet – tragen eine Vielzahl an Nützlingen bei. Bienen und Hummeln sorgen für die Bestäubung, Ohrwürmer fressen Blattläuse, Regenwürmer lockern die Erde, usw. usw. Die Nützlinge kommen nicht von irgendwo wenn sie keinen lebenswerten Lebensraum vorfinden. Ihr findet sicher auch im kleinen Garten eine Ecke, wo es nicht stört wenn Totholz, Reste vom Strauchschnitt oder Laubhaufen liegen bleiben um Nützlingen einen Unterschlupf zu bieten.

Ein mit Stroh, Holzwolle oder Heu gefüllter umgedrehter Tontopf am Zaunpfosten oder Stützpfosten bietet Ohrwürmern einen Lebensraum. Oder vielleicht habt ihr gar Lust ein Insektenhotel zu bauen!?
Im Ziergarten fördert ihr bestäubende Insekten indem ihr dafür sorgt dass rund ums Jahr etwas blüht, das für sie auch als Nektarquelle dient. Setzt also auf einfache statt gefüllte Blüten, und auf eine Hecke aus Blütensträuchern anstatt Kirschlorbeer.

Ich wundere mich immer wieder welche tierischen Besucher ich in unserem Garten antreffe. Im Hochbeet hat in einem Jahr eine Ringelnatter-Familie gelebt, im nächsten sind dann die Wespen ein und ausgeflogen. Unter dem Hibiskus haben heuer Hummeln gehaust, einen Meter weiter hat mich plötzlich eine Blindschleiche unter einem Mulchhaufen erschreckt. Und wenn ich einen Strauß Dahlien schneide müsste ich ihn wahrscheinlich so lange schütteln bis keine Blüten mehr dran sind um die ganzen Ohrwürmer raus zu bekommen :o))

Die Bienen freuen sich über die späte Blütenpracht

Kräuterspirale oder Kräuterpyramide

Blühender Oregano

Jetzt kommt erstmal eine Beichte meinerseits: ich hab’s irgendwie nicht so mit Kräuterspiralen und bin der Meinung, dass sie – wenn sie richtig angelegt sind – relativ viel Platz brauchen. Da mein Platz im Garten sehr beschränkt ist und ich ja ohnehin genug Hanglage im Angebot habe, habe ich nicht das Bedürfnis einen zusätzlichen Hügel zu bauen :o) Für euch kann das aber eine tolle Alternative sein, falls ihr genug Platz habt und Lust auf ein gestalterisches Element habt, das etwas in die Höhe ragt. Bei mir wachen die Kräuter am Hang, in stufenförmigen Beeten.

In einem meiner Bücher habe ich eine nette Idee gefunden, nämlich eine Kräuterpyramide. Ihr könnt aus (alten) Brettern einen quadratischen Rahmen bauen und mit Erde befüllen. Darüber kommt um 45 Grad versetzt ein etwas kleineres Quadrat, darauf wieder ein kleineres um 45 Grad versetzt usw. Die Erde dazwischen kann dann mit Kräutern bepflanzt werden.

Das erwähnte Buch ist übrigens „Prinzip Permakultur“ von Karin Schlieber (Werbung ohne Auftrag; selbst gekauft und für gut befunden ;o)

Nun, was meint ihr? Das ist doch gar nicht so schwierig wie zuerst gedacht oder? Welche Elemente habt ihr schon umgesetzt und wie hat Permakultur bei euch Einzug gehalten?

Lebt euren Hang zum Grünen!

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