Spaziergang durch den November-Garten

Es ist gar nicht so einfach, als Vollzeit-berufstätiger Mensch seinen Garten im November bei Tageslicht zu Gesicht zu bekommen. Dementsprechend herausfordernd ist es auch, den richtigen Zeitpunkt für das Einwintern der Pflanzen zu wählen. So hoffe ich auch heuer wieder, das Notwendigste erledigt zu haben und überlasse den Garten nun viel stärker als in jeder anderen Jahreszeit sich selbst.

Das Einwintern – eine kritische Phase im Gartenjahr

Kann ich noch bis zum kommenden Wochenende mit dem Einwintern der Pflanzen warten oder friert es zur Wochenmitte plötzlich und macht die langjährigen Bemühungen auf einen Schlag zunichte?

Habe ich eigentlich genügend Vlies, Styropor, Zweige und Laub zum Einwintern angesammelt?

Wann habe ich Zeit, alles Fehlende zu besorgen?

Zu jeder anderen Jahreszeit hat das Aufschieben von Gartenarbeit eher unkritische Auswirkungen auf den Zustand des Gartens. Verpasst man das Einpflanzen der Knollen der Frühjahrsblüher, dann blüht ein paar Wochen später eben ein bisschen weniger als man es gerne hätte. Hat man keine Lust, frischen Rindenmulch zu besorgen, dann wächst halt ein bisschen mehr Unkraut zwischen Rosen und Stauden. Und vergisst man den Salat rechtzeitig zu ernten, dann ist er plötzlich ausgewachsen oder die Schnecken haben sich ein Festmahl gegönnt.

Doch verpasst man den richtigen Zeitpunkt für die Einwinterung der empfindlichen Gartenbewohner, kann schnell die Arbeit von Jahren auf einen Schlag vernichtet sein. Und gerade wenn es kälter wird und man das Haus bei Finsternis verlässt um zur Arbeit zu gehen, und bei Finsternis wieder betritt, bleibt meist nur das Wochenende für solch eine Tätigkeit. Passt dann das Wetter nicht oder man ist schlichtweg zu faul sich warm anzuziehen und den kalten Garten zu rocken, droht eine kleine Katastrophe. Darum heißt es im November-Garten auch manches mal: Zähne zusammen beißen, Handschuhe an, Häubchen auf und RAUS mit uns! Auch wenn wir so manches mal doch lieber mit einer heißen Tasse Kakao und in eine Wolldecke eingemümmelt auf der Couch sitzen würden.

So hoffe auch ich, heuer wieder alle meine grünen Lieblinge gut versorgt zu haben. Lasst uns eine Runde im November-Garten drehen!

November-Garten zu Monatsanfang

Die Veränderung im November-Garten ist im Monatsverlauf so radikal, dass man Bilder von Monatsanfang, -mitte und -ende gar nicht gemischt zeigen kann. Zu Monatsanfang hatten die Gräser ihren großen Auftritt. Während die Blütezeit der meisten Gartenpflanzen zu Ende geht, retten sie die Lage mit ihren fröhlichen Blütenbommeln. Wisst ihr, was passiert wenn ihr solch eine Gräserblüte abschneidet und mit ins warme Wohnzimmer nehmt? Dann ist Flausch-Alarm angesagt. Probiert es doch einfach einmal aus ;o)

Gräserblüte im November

Da ich meine Rosen nicht spritze, ist so manches Exemplar vor dem Winter mit Rosenkrankheiten gestraft. So führt der Sternrußtau dazu, dass die Rose verkahlt und nur mehr die nackten Äste in alle Richtungen streckt. Doch bald ist sie eingepackt, dann sieht man ihr Leiden nicht mehr. Wichtig ist, dass ihr versucht die betroffenen erkrankten Blätter so gut es geht vom Boden zu entfernen. Die Krankheit geht nämlich sonst in den Boden über und führt dazu, dass eure Rose nächstes Jahr wieder mit der Krankheit angesteckt wird. Gerade bei meinem Hanggarten funktioniert das in der Praxis meist nur schwierig. Ich kann schließlich nicht zu jeder einzelnen Rose am Hang krabbeln und die Blätter zu ihren Füßen einsammeln. Im Notfall werde ich nächstes Jahr einmal versuchen die Rosen frühzeitig mit Schachtelhalm-Extrakt zu behandeln.

Kahle Rose vor dem Winter

Rosen einwintern

Und weil wir gerade beim Thema „Rosen“ sind: vor dem Winter werden die Rosen „angehäufelt“. Das heißt, die Veredelungsstelle wird mit Erde bedeckt, um sie vor dem Frost zu schützen. Ich gebe meist noch ein paar Fichtenzweige als Schutz darauf.

Rosen anhäufeln vor dem Frost

Rose mit Winterschutz

Die Hochstammrose hat ihre Veredelungsstelle am Kronenbeginn, also am Übergang zwischen Stamm und Krone. Bei jungen Hochstammrosen könnt ihr ein paar Nadelbaum-Zweige rund um die Veredelungsstelle binden, sodass sie schön geschützt ist. Ich raffe meist das Gartenvlies, das ich um das Krönchen arrangiere, an der Veredelungsstelle zusammen, sodass sie durch ein paar Vlies-Schichten geschützt ist. Bislang hat diese Strategie gut funktioniert. Um das Gartenvlies an Ort und Stelle zu halten verwende ich übrigens gerne einen Büro-Tacker. Damit könnt ihr die Vlies-Bahnen so zusammen haften, dass sie nicht in wilden Fetzen von den Pflanzen hängen und auch bei Sturm nicht fort geweht werden.

Die Hochstammrose ist schon winterfit

Kletterrose in der Wintersonne

Dahlien winterfit machen
– oder auch-
Das große Dahlien-Gemetzel

Ehrlich gesagt, wusste ich zu Beginn gar nicht wo ich anfangen sollte. Der Dahliengarten hatte über die letzten Wochen und Monate ein Ausmaß angenommen, das durchaus … Macht …ausgestrahlt hat :o)) Schlussendlich habe ich damit begonnen, alles was man noch in eine Vase stellen könnte, abzuschnippeln.

Ein letztes Sträußchen geht sich noch aus!

Danach habe ich mich Schritt für Schritt vorgearbeitet, bis ich jede Dahlie etwa eine Handbreit über dem Boden eingekürzt hatte. Seht euch nur dieses Gemetzel an! Und welch imposantes Ausmaß der Stamm einer einzelnen Dahlie annehmen kann! Ich hatte teilweise Schwierigkeiten ihnen mit der Gartenschere zu Leibe zu rücken.

Was von den Dahlien übrig blieb

Graben, Schneiden und Einwickeln gehört nun mal zu den Tätigkeiten im November-Garten dazu

Am Ende waren die Dahlien, die ich noch einer Farbe zuordnen konnte, fein beschriftet und wurden zum Abtrocknen der Erde für eine Woche in die Gartenhütte gestopft. Danach habe ich die Erde noch etwas entfernt, verfaulte Knollen eliminiert, große Exemplare geteilt und alle in Papiertüten und -säcke verteilt. Nun warten sie im Keller darauf, ab und zu auf Schäden kontrolliert zu werden. Wenn ihr genügend Platz im Keller habt, könnt ihr die Dahlien auch in Kisten geben und mit Sand oder Erde-Sand-Gemisch bedecken, sodass sie nicht austrocknen. Ich werde euch dann im Frühjahr berichten ob meine Strategie mit den Papiertüten auch heuer wieder gut funktioniert hat.

Dahlienknollen werden vor dem Winter ausgegraben, und evtl beschriftet

Auch die Gladiolen kommen vor dem ersten Frost aus der Erde. Sie bekommen bei mir die gleiche Behandlung wie die Dahlienknollen.

Gladiolen vor dem Winter ausgraben

Was gibt’s sonst im November-Garten?

Tja, wenn noch etwas Zeit übrig ist, kann man sich an den Immergrünen im Garten erfreuen. Ich hoffe, meine zwei Rhodos überstehen ihren ersten Winter gut und blühen im nächsten Frühjahr zum ersten mal am Hang *daumendrück*.

Junger Rhododendron vor seinem ersten Winter

Auch die Vogelfütterung startet spätestens im November. Meine Meisenknödel wurden schon wieder von den frechen Krähen geraubt. Es hängen nur mehr die Fetzen von den Ästen. Das Futterhäuschen und die Meisenringe sind da definitiv die bessere Wahl, werden von den Vögeln gut angenommen und fallen seltener Raubüberfällen zum Opfer.

Die frechen Krähen haben schon wieder die Meisenknödel geraubt - Vogelfütterung im November

Ach ja, es gibt auch einen Neuzugang zu verzeichnen. Er ist grün, aber es ist keine Pflanze!

Tja, das gibt Rätsel auf, was?

Mein neuer Thermokomposter freut sich auf Pflanzenfutter – und ich mich auf den Kompost den er mir hoffentlich bald schenken wird! „Da steht er jetzt, der Dodl“, sagt mein Mann jetzt regelmäßig. An den Anblick muss man sich eben erst gewöhnen. Ich hoffe, dass die Büsche daneben bald etwas an Größe gewinnen und dafür sorgen, dass der „Dodl“ bald nicht mehr so viel Aufmerksamkeit auf sich zieht…

Endlich habe ich einen Thermokomposter im Garten

Und von der Terrasse aus konnte ich ein paar herrliche herbstliche Anblicke genießen. Auch dekoriert wurde natürlich ein bisschen. Und schließlich und endlich war er da: der erste Frost!

Herbsticher Ausblick von der Terrasse

Herbstliche Terrassendeko

Der erste Frost

Also ist sich letzten Endes doch alles irgendwie ausgegangen. Aber ob ich wirklich alles bedacht habe und der Winterschutz ausreicht, das wird sich erst zeigen wenn der Frühling sich meldet. Dann knie ich wieder am Boden und grabe voller Angst, Hoffnung und Ungeduld im Rindenmulch, um zu sehen ob der Storchschnabel wohl wieder austreibt, die Anemonen überlebt haben und erste Spitzen der Frühlingsblüher zu sehen sind. 

Genießt die Vorzüge der kalten Jahreszeit, träumt vom Frühling und lebt euren Hang zum Grünen!

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