So gelingt dein Genießergarten: Tipps zur Umsetzung

Bestimmt kennt ihr das: ihr sitzt in der Arbeit und vor eurem geistigen Auge geht ihr die Liste an Garten-Projekten durch, die zuhause auf euch warten. „Wenn ich jetzt zuhause wäre, würde ich… die Rosen schneiden, ein Insektenhotel bauen, Salat pflanzen, Pflastersteine legen ….“. Auch wenn die Gartenarbeit natürlich Spaß macht, ein Genießergarten lässt zu, dass ihr auch mal im Liegestuhl liegt, nichts tut und – ja genau! Genießt.

Nun, ich befinde mich derzeit sozusagen auf Level 2 dieser Gedankenpyramide. Denn seit April bestimmt meine kleine süße Tochter meinen Tagesablauf. Was das für den Garten bedeutet und was in einem Gartenjahr mit wenig Zeit hilfreich ist, darum geht’s heute :o)

Warum ein Genießergarten für mich wichtig ist

Wie ich auf dieses Thema komme, fragt ihr euch? Gestern habe ich geträumt, dass der Blog aus dem Netz verschwunden ist. Na das war ja vielleicht wieder einmal ein Alptraum der Sonderklasse. Zur Sicherheit habe ich aber dennoch mal nachgesehen ob meine Beiträge noch online sind, und mal zusammen geräumt (1876 Spam-Kommentare in Moderation gelöscht), Aktualisierungen vorgenommen und mich umgesehen. Alles da, in alter Frische! Puuuh – bin ich froh, denn er ist ja auch mein eigenes Nachschlagewerk zu To Dos im Garten und Rezepten.

Genießergarten im Frühling 2019

Ich traue es mir ja fast nicht zu erzählen. In meiner utopischen Vorstellung war das Status des Gartens 2019 stets top gepflegt. Zudem dachte ich mir, kann ich euch auch laufend mit Neuigkeiten versorgen. Schließlich bin ich ja zuhause, und kann mich immer sofort um alle anfallenden Aufgaben kümmern.

Mhmmm…

Die Mamis unter euch kichern jetzt wahrscheinlich schon vor sich hin. Also besagtes Level 2 der „Wenn ich jetzt zuhause wäre …“ – Gedanken ist es, zuhause zu sein, die Arbeit zu sehen und keine Minute Zeit dafür zu haben, sie zu erledigen. Also tatsächlich noch viel weniger als zu stressigen Arbeitszeiten. Dass ich da eine Weile gebraucht habe um das zu akzeptieren könnt ihr euch sicher vorstellen.

Nichts tun im Genießergarten: Lektionen für’s Leben

Nichts tun und einfach nur genießen. Vielleicht sollte ich das gleich einmal klar stellen: ich meine natürlich das Nichtstun im Garten. Gegipfelt ist meine „Lehrzeit“ nämlich darin, dass ich eines Tages beschloss, ein neues kleines Gartenprojekt zu starten. Genießergarten aufmotzen, sozusagen. Der Plan war klar: ein paar Pflastersteine sollten zwischen den Gartenbeeeten verlegt werden. Zuvor die Grassoden entfernt, die Steine entfernt, der Boden angeglichen werden. Die Pflastersteine, der Sand, alles lag bereit. Also war es ja nur ein Katzensprung bis zur Fertigstellung, ne?

Also dann,…

Baby in den Schlaf geschaukelt, in den Kinderwagen gelegt, Spitzhacke aus der Gartenhütte geholt und los gegraben.

Pause – Baby weint.

Baby in den Schlaf geschaukelt, hingelegt, Handschuhe angezogen, 2 mal in den Boden gehackt, 3 Steine in den Kübel geworfen.

Pause – Baby weint.

Baby in den Schlaf geschaukelt, Handschuhe angezogen.

Pause.

So ging das gefühlte 10 Mal… Resultat war, dass mein Mann als er Abends nach hause kam ein Loch im Garten vorfand, daneben noch die Spitzhacke und der Kübel, ich grummelig ohne Ende weil mein Projekt gescheitert war. Ein paar Tage später konnte ich darüber schon nur mehr lachen. Weil’s in Wahrheit völlig egal ist ob zwischen den Beeten gepflastert ist oder nicht. Denn das Gemüse wächst so oder so wunderbar. Und wenn mich unsere kleine Maus dann mit voller Begeisterung anlächelt, ist mir sowieso alles andere wurscht.

Fertig gegraben und Pflastersteine gelegt hat dann übrigens mein Mann in seinem Urlaub 3 Wochen später. Er hat auch meine Stimme aus dem Off ertragen, die jeden Schritt mit Verbesserungsvorschlägen kommentiert hat :o))

Ein Genießergarten – pflegeleicht und schön

In so Zeiten, in welchen man wenig Zeit für den Garten hat, zeigt sich meiner Meinung nach ob er intelligent angelegt ist. Wenn ich von Zukunftsplänen für weitere Projekte absehe, die ich für den Garten im Hinterkopf habe, kann ich nämlich derzeit auch einfach nur von der Arbeit der letzten Jahre zehren und genießen. Denn außer gießen und ab und zu ein wenig zurück schneiden ist wenig zu tun in unserem Garten.

Viele Rosen sind unglaublich dankbar und benötigen wenig Pflege

Natürlich ist nicht zu verleugnen, dass so manche Pflanze nicht ausreichend Aufmerksamkeit und Pflege bekommt. So verschwindet so manches Exemplar (z.B. wurde meine Sonnenbraut von der Bodendeckerrose „The Fairy“ zu Tode gekuschelt), aber was das betrifft, kann ich getrost nächstes Jahr den Status erheben und das eine oder andere Pflänzchen nachkaufen und setzen.

Die Blütenpracht war heuer jedenfalls enorm – auch dank so mancher Gartenvagabunden wie Vexiernelke oder Spornblume, die sich fein selbst aussäen und freie Flächen bewachsen (unter anderem auch den Gartenweg, der zwischenzeitlich schon fast unbenutzbar war :o)) Nach dem Abblühen habe ich die Pflanzen einfach aus der unerwünschten Zone entfernt und wieder für etwas Ordnung gesorgt. Dafür reicht Gott sei Dank auch ein Zeitfenster von einer Stunde ab und zu – ist ja schließlich nicht so groß, der Urban Garden von Welt.

Intelligenter Nutzgarten

Im Nutzgarten gibt es heuer wie auch schon im letzten Jahr noch nie da gewesene Erträge. Zu verdanken ist das der Mischkultur und der Umsetzung so manches Permakultur-Elements. Aber dazu ein anderes Mal mehr. Gerade bei begrenztem Platzangebot macht es jedenfalls Sinn sich vorab Gedanken über die Bepflanzung zu machen und nicht wahllos Pflanzen zu kaufen und an beliebigen Standorten in die Erde zu klatschen.

Heuer habe ich ich auf 2 Hochbeeten (je 2×1 Meter) geerntet: Snackgurken ohne Ende, Basilikum, Mangold, Spinat, Rucola, Pflücksalat, Kohlrabi, Erdbeeren, Gartenkresse, Radieschen,… ja ich glaub das wars. Und der Grünkohl steht schon in den Startlöchern. Mein Erstversuch – ich bin gespannt!

Ernten, ernten, ernten - dank Mischkultur im Nutzgarten

Nervige Mankos

Die meisten Pflanzen im Garten sind mittlerweile so gut angewachsen und wurzeln so tief, dass sie nicht übermäßig oft gegossen werden müssen. Ganz anders ist das bei den Terrassenpflanzen. Und wenn man nach einem anstrengenden Tag um 22 Uhr drauf kommt, dass man ja nochmal raus muss zum gießen, ist das so gar nicht lustig. So habe ich für mich festgestellt, dass ich die vielen kleine Töpfe mit Pflanzen eher zu den Beeten stellen werde, wo sie genügend Regen abbekommen. Sieht doch nett aus und sorgt für Struktur, wenn an der richtigen Stelle mal ein schöner Topf mit Blümchen neben dem Beet steht. Auf der Terrasse möchte ich eher große Gefäße, die ich seltener gieße und die aufgrund des Erdvolumens das Wasser länger speichern können. Auch werde ich im nächsten Jahr wieder vermehrt für Bewässerung ohne mein Zutun sorgen (Bewässerungselemente mit Tonkegel).

Jetzt aber nochmal für euch zusammengefasst! Was hat sich denn nun für mich als ausschlaggebend herausgestellt?

Hier meine Tipps für euch!

  • Garten intelligent planen: Den Garten ganz auf deine Bedürfnisse und die Gegebenheiten anzupassen und die richtigen Pflanzen auszuwählen ist das um und auf. Lies mehr über meine Tipps zur Gartenplanung oder sieh dir an wie ich meinen Garten bis jetzt gestaltet habe.
  • Mischkultur im Nutzgarten anwenden: Eigne dir Kenntnisse darüber an, welche Beetnachbarn das Wachstum der Pflanzen anregen und welche Fruchtfolge Sinn macht und ernte mehr als je zuvor, ohne viel Arbeit und Pflege rein zu stecken.
  • Mulchen! Bringe auf freien Flächen zwischen den Pflanzen Mulchmaterial aus, sodass die Erde länger feucht bleibt und du nicht so oft gießen musst. Im Nutzgarten hat sich für mich der Rasenschnitt bewährt. Später kannst du das angerottete Mulchmaterial in die Erde einarbeiten und die Gartenerde bekommt einen wunderbaren Nährstoffschub
  • Gartenvagabunden nutzen um Beetlücken zu füllen: Viele wunderschöne Einjährige oder mehrjährige Pflanzen säen sich selbst aus und füllen die Beetlücken ohne dein Zutun. Beispiele hierfür sind Spornblume (mehrjährig), Ringelblume, Kornblume, Cosmea, Prachtkerze, Akelei, Vexiernelke, …
  • Automatische Bewässerung oder Bewässerungshilfen einsetzen: verlege ein automatisches Bewässerungssystem oder nutze Behälter mit Tonkegel um die Erde von Terrassenpflanzen stetig feucht zu halten.
  • Terrassenpflanzen reduzieren: Wenn du wenig Zeit zum Gießen hast, kann es hilfreich sein nicht so viele Terrassenpflanzen unter dem Dach zu haben, die keinen Regen abbekommen, da du dann zumindest bei Regenwetter die Gießkanne stehen lassen kannst.

Zum Genießergarten gehört eine Damaszenerrose wie die Rose de Resht. Sie verzaubert jeden mit ihrem Duft.

Und die Moral von der Geschicht’…

Stimmt, da war etwas.

Also, was ich dankbar zur Kenntnis genommen habe, ist, dass unsere durchdachte Planung und Umsetzung des Hanggartens Früchte trägt. Ich kann mich einfach zurücklehnen und die Blütenpracht zu jeder Jahreszeit genießen. Und den Duft gleich dazu. Ohne weiteres Zutun setzten die Rosen im August zur zweiten Blüte an, und der Phlox hat schon von Weitem geleuchtet. Die Stockrosen fragen ohnehin nie um Hilfe und schieben eine leuchtende Blüte nach der anderen auf ihren Zwei-Meter-Stielen raus, der Hibiskus und Sommerflieder werden von Schmetterlingen und Bienen umgarnt…. Durch den Kräutergarten musste man regelrecht durchwaten und einen Weg bahnen wenn man etwas ernten wollte und der blau-violette Storchschnabel Rozeanne wucherte quer über den Weg. In Kombination mit den Bienen die ihn bevölkern gleicht es immer wieder einer Mutprobe über ihn hinweg zu steigen. Die Äpfel des Cox Orange haben fein mit roten Wangen beim Terrassenfenster herein geleuchtet und sind mittlerweile allesamt verspeist.

Mensch, was willst du mehr?

Hier blüht es in allen Ecken. So stelle ich mir einen Genießergarten vor.

Wie geht es dir in Zeiten, in denen du den Garten einfach mal Garten sein lässt oder lassen musst. Kannst du gut damit, oder bist du eher ein Ordnungsfreak? Und wie gut bist du beim Gartenstuhl sitzen und genießen? Versuche es doch einfach einmal! :o) Alles Liebe und …

Lebe deinen Hang zum Grünen.

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