Der Liebstöckel: Love & Peace in unserer Suppe

Mein Liebstöckel hat im letzten Jahr Ausmaße angenommen, die dazu geführt haben, dass ich ihn nicht nur frisch verwertet sondern auch eingefroren und getrocknet habe. Schnell wurde klar: so viel Suppe kann kein Mensch essen. Und Suppe war das einzige mit dem ich den Liebstöckel bislang in Verbindung gebracht hatte. Durch mein Überangebot habe ich mich auf die Suche nach anderen Nutzungsmöglichkeiten gemacht – und bin auf einige Überraschungen gestoßen!

Der Name ist Programm

Eigentlich sagen wir seinen Namen immer nur so dahin – im Dialekt nennen wir den Liebstöckel: „Luastock“. Aber wusstet ihr, dass die richtige Schreibweise eigentlich Lus(t)stock ist, und das nicht gerade per Zufall? Weitere Bezeichnungen wie Liebstängel, Liebrohr oder Luststecken lassen euch vielleicht schon ahnen wo die Reise hingeht.

Mein Weg zur Liebstöckel-Aufklärung begann jedenfalls wie folgt:

Im Winter heize ich gerne mein Räucherstövchen an. Lavendel, Weihrauch, oder fertige Räuchermischungen: je nach Stimmung oder auch ganz spontan wird ein Kerzerl angezündet und das Wohnzimmer dezent (!) eingenebelt. In eben diesem Winter ist mir eingefallen, dass ich ja noch einen dicken Bund getrockneten Liebstöckel übrig hatte. So habe ich aus reiner Neugierde recherchiert, ob man mit Liebstöckel räuchern kann und ob dem Kraut eine bestimmte Wirkung nachgesagt wird.

Aufgrund der gefundenen Antworten hat sich das Gefühl eingeschlichen, dass wir diese Pflanze unterschätzen, wenn wir sie nur „Suppenkraut“ oder gar „Maggikraut“ schimpfen. Da stand doch tatsächlich geschrieben, dass der Liebstöckel traditionell für Liebesräucherungen eingesetzt wird. Das bedeutet konkret, dass man, um jemanden zu bezirzen sich selber und den Raum in dem man sich später trifft so lange wie möglich mit Liebstöckel räuchern sollte. Was auch immer ihr jetzt mit dieser Information anstellt. Hätte ich irgendwo vermerken müssen, dass dieser Beitrag für Jugendliche unter 14 Jahren nicht geeignet ist?

Liebstöckel als Liebesräucherung

Auch wird das Räucherwerk als stimmungsaufhellend bezeichnet und das Räuchern der getrockneten Liebstöckel-Wurzel gar gegen depressive Verstimmungen eingesetzt. Letztere gilt auch wiederum als wichtige Zutat in Liebestränken. Ich sag’s euch: der Liebstöckel ist kein Suppen- sondern ein richtiges Love, Peace and Rock’n Roll Hippie-Kraut!

Wenn ihr nun aber auch schon ohne meine Hilfe auf Wolke 7 schwebt, gibt es weitere Heilwirkungen und Anwendungen, die ihr interessant finden werdet. Eine vollständige Auflistung würde den Rahmen sprengen, daher habe ich die kuriosesten, sowie die meiner Ansicht nach alltagstauglichsten zusammengefasst.

Liebstöckel dominiert das Beet

Liebstöckel - unterschätztes Würzkraut und Heilkraut

Heilwirkungen des Liebstöckels

  • Die Hildegardmedizin empfiehlt das Trocknen der Liebstöckel-Stängel auf Vorrat, sodass man vor allem Kindern bei geschwollenen und entzündeten Mandeln heiße Milch durch den hohlen Stängel trinken lassen kann.
  • Die Einnahme von 3 bis 6 Tropfen ätherischem Öl (aus Samen erzeugt) soll sofortige Wirkung gegen Bauchschmerzen und Blähungen zeigen.
  • Ein Tee aus getrockneten Blättern oder Wurzeln findet Anwendung bei Bauch- und Kopfschmerzen, stärken die Unterleibsorgane wie Blase (harntreibende Wirkung!) und Gebärmutter, sowie Nieren, Milz, Leber, Magen und Herz. Also irgendwie alles oder? Der Tee wird zubereitet, indem die Blätter oder Wurzel (etwa 2 TL) mit ¼ L Wasser aufgekocht werden und abgegossen werden. Die Blätter können aber auch einfach mit kochendem Wasser übergossen werden. In diesem Fall lasst ihr den Tee noch 10 Minuten ziehen. In der Schwangerschaft ist die Pflanze aufgrund ihrer Wirkung auf die Unterleibsorgane zu meiden.
  • Eine Messerspitze der pulverisierten Wurzel soll gegen Migräne und Menstruationsschmerzen, sowie bei Rheuma oder Gicht helfen. Danach soll Wasser nachgetrunken werden.

getrockneter Liebstöckel

Liebstöckel Strohhalme

Anwendung des Liebstöckels als Würzmittel

  • Bei der Zubereitung von Suppen werden die Blätter eines Zweiges Liebstöckel beim Kochen zugegeben.
  • Bei der Reis-Zubereitung könnt ihr vorab eine kleine Zwiebel in etwas Butter anschwitzen, einen Zweig kleingehackten Liebstöckel beigegeben und danach erst der Reis beigegeben und im Wasser gar kochen. Der Liebstöckel-Reis eignet sich gut als Beilage zu Geflügelgerichten.
  • Als eines der Hauptgerichte bei meiner Hochzeit gab’s rosa gebratenes Huftsteak mit Liebstöckelpürree und Speckbohnen auf Rotweinglace. Der ultimative Beweis dafür, das der Liebstöckel Festtags-tauglich ist. Für das Pürree gebt ihr einfach ganz nach Geschmack Liebstöckel zum selbst gemachten Kartoffelpürree und püriert ihn schön mit rein. Ihr braucht dazu also nur mehlige, gekochte und geschälte Kartoffeln, einen Schuss Milch, einen Löffel Butter, Salz, Muskat und Liebstöckel nach Belieben.
  • Auf gleiche Art und Weise könnt ihr auch Spätzle verfeinern. Nach zusätzlicher Zugabe von 1 TL Fenchel und Brennesselpulver helfen die Spätzle laut Hildegard von Bingen bei oftmaligem Genuss sogar gegen chronische Magen- und Darmentzündungen.

Weitere Kuriositäten

Einen lustigen Hinweis habe ich noch gefunden, nämlich einen, um mit einem Kater nach übermäßigem Alkoholgenuss leichter fertig zu werden! Kandierte Stängel und Blätter des Liebstöckels sollen helfen, da sie leber- und magenberuhigend wirken. Klingt eigentlich gar nicht so schlecht! Wer macht das Versuchskaninchen? Freiwillige vor!

Nun gab es heute also von mir eine Lektion der Wertschätzung für Pflanzen, die uns so selbstverständlich geworden sind, dass wir sie und ihre Besonderheiten gar nicht mehr bemerken. Haltet eure Augen offen, und lasst mich wissen, wie es euch mit eurer neu gewonnenen Liebe für den Liebstöckel ergeht!

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    GLG aus Salzburg
    Kathrin