Gartenplanung: Ich mach mir meine Welt, wie sie mir gefällt!

Bei der Gartenplanung können Neulinge schon mal schnell an ihre Grenzen stoßen. Bei der Vielzahl an Dingen, die man scheinbar dabei beachten sollte, verliert man tatsächlich schon einmal schnell den Überblick. Doch glaubt mir – es ist nicht so schwierig wie es scheint. Und ganz viel Gefühl ist oft mehr Wert als das Beachten jeder Regel. Dieses Gefühl und ein paar Anregungen für eure Gartenplanung möchte ich euch heute mit auf den Weg geben.

Mehr Gefühl – weniger Regeln!

Meine Fantasie ist grenzenlos. Ich verliere  mich in Geschichten über magische Welten, und spüre die Magie an realen Orten. All die fantastischen Momente – sie sind irgendwo in meinem Kopf und inspirieren mich. Sind da, wenn ich mich dem Auftrag widme, irgendeine Ecke neu zu gestalten, eine Geschichte zu schreiben, jemandem eine Freude zu machen, oder manchmal auch nur ein Abendessen zu kochen.

Habt ihr schon einmal davon gehört, dass es wissenschaftlich erwiesen ist, dass unser Verstand darauf konditioniert ist, Antworten zu finden, sobald uns eine Frage gestellt wird? Das kann verdammt anstrengend sein, wenn wir uns ständig mit unwichtigen und falschen Fragestellungen beschäftigen, die nicht dazu beitragen, Freude zu empfinden und uns zu verwirklichen. Aber es kann auch richtig Spaß machen, wenn wir den Fokus in die richtige Richtung lenken.

„Zeig mir dein Leben, und ich sage dir,
welche Fragen du dir täglich stellst.“
Veit Lindau
Mir bereitet es Freude zu sehen wie unscheinbare, verkümmerte Ecken in meinem Wohnraum und Garten in neuem Glanz erstrahlen. Meine Handschrift tragen. Darum möchte ich euch heute einen kleinen Einblick in meinen Kopf geben (Leute die mich kennen könnten dies  als Drohung verstehen aber keine Angst es wird nicht so schlimm) ;o) um zu sehen wie ein auserwählter Quadratmeter zu neuer Form aufläuft. In einem meiner ersten Posts habe ich es ja schon erwähnt – wir nennen die hässliche Garten-Ecke jetzt einfach mal unser Garten-Ghetto – und sehen dann mal welchen neuen Namen sie sich nach der Umgestaltung verdient hat!

In Gartenbüchern und –ratgebern findet ihr viele Anregungen, auf welche Art ihr so eine Neugestaltung angehen und planen solltet. Seeeehr viele Anregungen. Manchmal vielleicht sogar eher als Regeln formuliert, die euch das Gefühl geben der Situation nicht gewachsen zu sein. Man bekommt leicht das Gefühl, man sollte den Spaten besser in der Ecke lassen. Zu einem gewissen Grad ist das auch berechtigt. Doch irgendwann solltet ihr zu dem Punkt kommen, wo ihr euch traut.

Inspiration für die Gartenplanung
In Gartenzeitschriften und -büchern könnt ihr euch Ideen holen.
Klebt euch Haftnotizen an die wichtigsten Seiten oder schneidet die schönsten Bilder gleich für eure Ideensammlung aus.
Seht meine Worte als Inspiration, nicht als Regeln. Sie sollen euch dabei helfen, eines Tages grinsend in eurem neu gestalteten Garten-Ghetto zu sitzen und vor euch hin zu flüstern: „Genau so! Genau so hab ich mir das vorgestellt!“

Gartenplanung Lektion #1: Fokussiert!

Eine der ersten Sätze, die ich mir als Garten-Neuling damals sehr zu Herzen genommen habe, hat der Gärtner in einer meiner Lieblings-Gartenmärkte an mich gerichtet: 

„Versuche nicht, deinen gesamten Garten in einem Stück durch zu organisieren, zu planen und zu gestalten. Ich sehe in meinem Arbeitsalltag viel zu viele Menschen, die sich die Ladefläche eines Kleinlasters mit Pflanzen voll stellen, und sich mit der Bepflanzung ihres gesamten Grundstücks ein Ausmaß an Arbeit einhandeln, das dazu führt, dass sie die Freude am Garteln verlieren.“

Dies möchte ich an euch weiter geben. Sucht euch einen Fleck Erde aus, dem ihr euch widmen möchtet. Habt die darüber stehende Vision im Kopf, aber versucht nicht, sie in einem Stück zu realisieren.

Gartenplanung Lektion #2: Beobachtet!

Ihr werdet langfristig keine Freude dabei verspüren, eine Schattenpflanze in der prallen Sonne leiden zu sehen und zu beobachten wie  zarte Pflänzchen beim ersten Regen von einem Wasserschwall von Nachbar’s Balkon erdrückt werden. Auch wenn es einer Geduldsprobe gleicht: seid erst einmal einfach nur mal dort und beobachtet.
  • Wie ist das Verhältnis von Sonnen- zu Schattenstunden?
  • Wie ist der Boden beschaffen?
  • Läuft Regenwasser mangels Dachrinnen oder schlecht geplanten Wasserabläufen ständig an denselben Stellen zusammen und verursacht Pfützen oder kahle Stellen im Rasen?
  • Könnt ihr Tiere beobachten die hier ihr Zuhause gefunden haben? Könnt ihr ihnen mehr Wohnraum schaffen oder dazu beitragen sich hier wohl  zu fühlen?
  • Gibt es viele Katzen in der Nachbarschaft? Sie neigen dazu auf Rindenmulchflächen oder Kiesflächen ihr Geschäft zu  verrichten.
  • Kommentieren eure Pensionisten-Nachbarn auf unangenehme Weise eure Garten-, Grill-, Freiluft-Feieraktivitäten und wäre etwas Sichtschutz angebracht?

Gartenplanung Lektion #3: Fotografiert!

Wir neigen dazu, zu vergessen und zu verdrängen. Schnappt euch einfach euer Handy oder eure Kamera und fotografiert die Ecke ab. Gegebenenfalls macht ihr das zu verschiedenen Tageszeiten, bei unterschiedlichen Witterungsbedingungen und aus verschiedenen Perspektiven. Fotografiert Details wie Niveauunterschiede, Pflanzen, Problemstellen einfach ab. Später wird euch eure kleine Foto-Dokumentation bei der Problemlösung helfen.

Gartenplanung Lektion #4: Messt!

Gartenplanung mithilfe genauer Abmessungen
Messt eure Gartenecke ab und notiert euch die wichtigsten Zahlen auf einem Blatt Papier. Ihr könnt auch Millimeterpapier und Transparentpapier übereinander legen, um euch die Arbeit zu erleichtern.
Ich persönlich neige dazu, die Größe des Platzes, den ich für die Gestaltung zur Verfügung habe, deutlich zu überschätzen. Meistens tummeln sich so viele Ideen in meinem Kopf, dass es mir schwer fällt zu akzeptieren, dass nicht alles, was ich schön finde in meinem 180-Quadratmeter-Garten Platz finden wird. Irgendwann ist also der Moment gekommen, in dem wir uns das Maßband, einen Notizblock und Stift schnappen und unsere Ecke einmal vermessen. Seht es positiv: das schafft den Bezug zur Realität. Jetzt kann’s also richtig ernst werden!

Gartenplanung Lektion #5: Sammelt und Visualisiert!

Mein Highlight: Die Ideensammlung. Das ganze Jahr über klebe ich kleine Haftnotizen in Gartenzeitschriften, schreibe Ideen in mein Notizbuch, sammle Anregungen im Internet durch einfache Google-Suche oder durchforste Blogs, und kritzle kleine Zeichnungen auf jede Ecke weißen Papiers. Denkt daran, dass ihr all eure Ideen irgendwann zusammenführen solltet um nicht versehentlich Teilergebnisse eurer wertvollen Recherche zu vergessen. Ihr könnt euch eure Ideen auf einem großen weißen Bogen Papier kleben, eine Magnetwand nutzen oder die Ideen auf digitalen Pinnwänden sammeln.

 
Ich liebe es, auf Pinterest – einer Plattform, die es ermöglicht in digitaler Form Ideen auf Pinnwänden zu sammeln – zu schmökern. Nutzt doch diese Gelegenheit und werft mal einen Blick auf mein Pinterest-Profil! Wenn ihr meinem Pinterest-Profil oder einer meiner Pinnwände folgt, seht ihr immer tagesaktuell welche Ideen ich wieder für euch gefunden habe und könnt sie selbst auf  einer eurer Pinnwände festhalten. 
Hang zum Grünen Pinnwände Pinterest
Ein Auszug aus meinen Pinterest Pinnwänden. Wenn ihr meinem Profil
folgt, seht ihr immer die aktuellsten Ideen die ich für euch sammle.
 
Auch haben sich einige deutschsprachige Gartenblogger zusammen getan um gemeinsam auf eine Gruppenpinnwand zu pinnen. Wenn ihr dieser Pinnwand folgt, seht ihr immer, welchen Themen die Welt der Gartenblogger gerade auf der Spur sind!
Speziell bei größeren Umgestaltungsplänen macht uns unsere Vorstellungskraft oft einen Strich durch die Rechnung. Wir können uns einfach nicht vorstellen, wie es aussehen wird und ob wir uns wirklich trauen sollten bestimmte Schritte zu setzen und die Schaufel zu schwingen. Dabei kann es helfen, anhand von Hilfsmitteln markante Stellen zu kennzeichnen und zu betrachten bzw.  abzufotografieren. Ganz gleich ob ihr neue Gartenbeete mit Stöcken oder Ziegeln im Gras ‚vorzeichnet‘ oder mit einem langen Seil auslegt um eure Vorstellungskraft zu steigern, ob ihr eure Kinder gegen Herausgabe einer Tasse Kakao bittet, sich mal 5 Minuten lang an die eine Stelle zu stellen, an die ihr gerne eine Solitärpflanze setzen würdet: der Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.
Ich drucke mir meine Bestandsaufnahme in Foto-Form gerne in A5-Größe aus und lege ein Transparentpapier darüber, auf welchem ich mich gestalterisch austoben kann. So muss ich mich weniger ärgern, dass ich nicht sonderlich gut dreidimensional zeichnen kann, da die Grundzüge des Geländes bereits durch das Papier durchscheinen. Auch kann ich leicht mehrere unterschiedliche Versionen zeichnen und wechselweise über das Originalfoto legen um zu goutieren. Stellt nicht zu hohe Ansprüche an eure Zeichenkünste. Es geht nicht darum einen Preis zu gewinnen, sondern eure Vorstellungskraft zu steigern.

 

Zu einer vollständigen Ideensammlung gehören natürlich auch Details zu Pflanzen, die für die gegebenen Bedingungen geeignet sind. Achtet auf die Anforderungen hinsichtlich Lichtverhältnisse, Bodenbeschaffenheit, Anspruch an Pflege und Düngung, Empfindlichkeit gegenüber Staunässe, Höhe der Pflanze, Farbspektrum, Winterhärte und Blütezeitpunkt. Ich stelle mir stets eine grobe Auswahl zusammen, und lasse mich dann überraschen, was es davon zum Shopping-Zeitpunkt tatsächlich in der Gärtnerei gibt und welche Pflänzchen mich dort noch außertourlich und ungeplanter Weise bezirzen und mit nach Hause fahren!

Welche Gestaltungselemente findet ihr besonders schön? Sammelt Bilder davon und visualisiert eure Ideen auf einem Moodboard.
Welche Farben sollen in eurer Garten- oder Wohnraum-Ecke vorherrschen? Schreibt alles auf!
Gibt es Pflanzen die es euch besonders angetan haben? Sind sie für die vorherrschenden Lichtverhältnisse geeignet?
Dinge die ihr bei der Umgestaltung keinesfalls übersehen oder vergessen dürft, bekommen einen besonders prominenten Platz auf der Pinnwand.
Urlaubsfotos als Inspiration für die Gestaltung des eigenen Reichs
Ansprüche der Pflanzen hinsichtlich Boden und Lichtverhältnisse solltet ihr gut recherchieren, damit sich die Pflanzen später auch wohl fühlen und gut wachsen und gedeihen!

Gartenplanung Lektion #6: Gruppiert, ordnet, wählt aus!

Wahrscheinlich hat sich mittlerweile ohnehin schon heraus kristallisiert, für welche Ideen ihr immer noch brennt und welche eher Eintagsfliegen waren. Sortiert eure Ideen thematisch, schmeißt unnötiges raus und vertieft euer Wissen zu jenen Gestaltungselementen, auf die eure Entscheidung gefallen ist. Fertig ist die Gartenplanung!
Und jetzt, holt den Spaten aus der Ecke, fahrt zum Trödelmarkt, Abbruchhaus, Schottergrube, Baumarkt, in die Gärtnerei oder was euch immer euch hilft eure Pläne in die Tat umzusetzen. Legt los und habt Freude an jedem Schritt der Umsetzung!
An welchem Projekt tüftelt ihr gerade? Wo findet ihr Inspiration? Und was hilft euch dabei, zu einem Ergebnis zu kommen, das euch glücklich stimmt?
 

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